Gedichte von Kaplan Flury
Gedichte und Illustrationen
Kaplan Flury schrieb Gedichte und kreierte gleichzeitig Illustrationen dazu...
Licht
Es sei nun einmal festgestellt:
Mit aller Dunkelheit der Welt,
löscht man mit aller Müh doch nicht
der kleinsten Kerze helles Licht.
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Der Träumer
Er lebt in tausend Phantasien
und sehnt sich nach dem Abendbrot.
Sein Frack passt nicht und ist geliehen,
und seine Seele leidet Not.
Die Menschen sagen, er verschwende
im Traum den schönsten Teil der Zeit.
Er ist am Anfang und am Ende.
Er rennt davon und kommt nicht weit.
Ein Träumer kann gar nicht begreifen,
dass er umsonst nach Liebe schreit,
ahnt nicht, dass hinter Nebelstreifen
die Welt ist, die ihn nie begreift.
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Vergesslichkeit
Vergesslichkeit kennt keine Grenzen
Und lässt Dich frei im Raume schweben.
So kann man vor sich selber schwänzen;
Warum denn nicht? Das ist es eben!
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Der Gartenzwerg
Ein Gartenzwerg hat zwei Gesichter
obschon er sich doch nie bewegt
und nur als bunt bemalter, schlichter
Geselle still zu stehen pflegt.
Für Menschenfreunde und für Kinder
sieht er still schmunzelnd in die Welt.
Sagt: “Lebt doch froh und auch gesünder,
das ist das einzige, was zählt.“
Für Musenrichter, Kunstexperten,
die stilles Lächeln nie gesehn,
lässt sich an Zwergen nichts bewerten,
es gibt sie nicht, denn sie sind schön.
Die Kinder und die Menschenfreunde
sind doch zu einfach und naiv,
Die andern, von der Kunstgemeinde,
sie fallen wirklich nicht so tief,
dass sie das Herz der Zwerge spüren
und die verliebte Einsamkeit.
Sie würden ihr Gesicht verlieren,
würde man sehn, dass sie was freut.
Ich habe auch zwei Gartenzwerge,
und sie besitzen ein Gesicht.
Sie träumen über sieben Berge,
und tun es gern als ihre Pflicht
Man kann nicht immer Goethe lesen,
und Rembrandt-Portraits sind sehr hart.
Ich brauch nach Sehen, Hören, Lesen,
den Zwerg, der das Gefühl nicht spart,
Der einfach da ist, klein, verwittert,
er macht den Garten mir zum Traum.
Entfernt von Kunst, doch unverbittert,
führt er mich dann in jenen Raum,
wo man sich auch mal zweckentbunden,
am Souvenir erfreuen kann.
So ist der Zwerg in manchen Stunden
für mich ein richtig grosser Mann.
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Zoll
Da stehst du brav in der Kolonne,
die Pässe liegen griffbereit.
Und unbarmherzig brennt die Sonne
aufs Blechdach in der Urlaubszeit.
Dann kommst Du dran
und scheust die Blicke
des Zöllners, wenn er Dich befragt.
Im Herzen reisst man ihn in Stücke,
weil er, nur wenn er will, Dich plagt.
Jetzt will er Dir im Koffer wühlen,
die Unterwäsche wird durchsucht.
Wohin willst Du mit den Gefühlen,
wenn Deine Seele leise flucht?
Dann winkt er Dir zum Weiterfahren
und schaut mit keinem Blick Dich an.
Die Flaschen unterm Sitz, sei waren
ganz still und nie in seinem Bann.
So fühlst du Dich nun plötzlich freier,
man hat Dich schliesslich nicht gebüsst.
Das Schmuggeln ist ein Abenteuer,
das Dir den Urlaub sauer süsst.
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Die Drehtür
Die Drehtür kann man nicht zuschlagen,
und das ist ihre Qualität.
Egal, in welchen Lebenslagen,
in guten und in schlechten Tagen,
weiss sie für uns, worum sich’s dreht.
Dreht sich die Welt um uns im Kreise,
sind wir verzweifelt und noch mehr.
Dreht sich die Drehtür still und leise,
nur um sich selbst, auf gleiche Weise:
und sie tut das von früh bis spät.
Wir sind nicht Tür und auch nicht Mitte,
wir sind nicht Pol und Drehmoment.
Wir lernen laufen. Unsere Schritte
sind nicht Befehl und auch nicht Bitte.
Wir sind ein Feuer, das nicht brennt,
weil wir im Leben vieles wollen
und das meiste doch nicht tun,
weil wir nicht wissen, was wir sollen,
schöpfen wir niemals aus dem vollen,
können wir nicht beim Rasten ruhn.
Eine Drehtür ist nicht selten
Notausgang in neue Welten.
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Die Maus
Die Maus macht eine gute Falle,
wenn sie derselbigen entflieht.
Das gilt als Lehre für uns alle,
wenn man daraus auch eine zieht.
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Der Hund
Der Meister ist nicht immer einer,
wenn er gehorcht, kommt er auf ihn.
Egal, ob Vier- oder Zweibeiner,
den einen zieht’s zum anderen hin.
Es gleicht nicht selten in dem Bund
zuletzt der Meister seinem Hund.
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Der Stau
Der Stau ist eine lange Schlange,
sie macht uns müde, bös und bange;
sie kann das Weekend uns versauen,
ich frag mich nur, warum wir stauen.
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Der Sonntagsfahrer
Das Auto ist perfekt gewartet,
gewachst, poliert, getankt, geölt,
bevor der Sonntagsfahrer startet,
dahin, wo ihn die Lust beseelt.
So folgt er einem innern Drange
und fährt hinaus in die Natur;
ist immer Kopf der Autoschlange,
gibt man ihm Zeichen, bleibt er stur.
Und seine Frau sitzt stets daneben,
starrt unbeweglich vor sich hin,
Sie hat seit Jahren aufgegeben
zu fragen: Hat es einen Sinn,
am Sonntagnachmittag zu fahren,
nur dass man auch gefahren ist?
Sie sind sich nicht mehr in den Haaren,
er tut einfach, und sie vergisst.
Am Abend kommen sie nach Hause,
erst wird das Auto nachpoliert.
Jetzt hat es eine Woche Pause,
dann wird es wieder ausgeführt.
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Blickwinkel
Wenn Du im Kreis gehst, siehst Du stets die Mitte,
was an sich gut ist, doch Du kommst nicht weit,
machst täglich hundert oder tausend Schritte
und überwindest lediglich die Zeit.
Der erste Schritt vom Nordpol geht nach Süden,
ganz gleich, in welcher Richtung Du auch gehst.
Da ist von sich aus alles längst entschieden,
ausser wenn Du dort ewig stille stehst.
Mit der Bewegung muss der Standort fallen.
Gehst Du rückwärts, seitlich oder vor,
ändert Dein Blick im Winkel sich zu allen
Dingen. Vielleicht geht dann ein Blick empor.
Denn über Dir sind andere Dimensionen,
und die Entfernung bis zum ersten Stern
ist nach zwei Schritten kaum neu zu betonen,
denn im Prinzip ist oben alles fern.
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Das Schlusslicht
Das Schlusslicht ist zumeist bis immer
das ärmste Kind im Klassenzimmer.
Weil es die Rechnung nicht begriffen,
wird es von allen ausgepfiffen,
und selbst die Lehrer können selten
erfühlen seine Lebenswelten.
Zu einem Lehrer, der so dachte,
sagte ein Polizist ganz sachte:
„Ich habe hier noch ein paar Fragen
und muss Sie leider dann verklagen!
Warum denn tun Sie so gequält?
Sie sehen doch, Ihr Schlusslicht fehlt!“
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Die Religion
Religion, das heisst Beziehung.
Auf wen und was bezieht man sich?
Ist es nicht oft nur die Entfliehung
vorm eignen und vorm andern Ich?
Das andre Ego hat im Stillen
sich in der Emotion versteckt,
diktiert Gefühl und Widerwillen
und trotzt dem kalten Intellekt.
Wenn die zwei sich zusammenraufen,
dann ist bestimmt schon viel getan!
Man kann sich nicht den Himmel kaufen,
mit gar nichts, doch man geht hinan,
nimmt Teil an den Religionen,
will jedoch die Beziehung nicht
und sucht umsonst bei dem Betonen
des Intellekts das Glaubenslicht.
Denn will man, was man glaubt, auch sehen,
macht man den hellen Tag zur Nacht.
So wird die Liebe unbesehen
Um ihr ureignes Licht gebracht.
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Diebstahl
Die Frau des Gastarbeiters stahl
Beim Einkauf einen grünen Schal.
Der Detektiv, der dies gesehen,
rief die Justiz. Die Richter drehen
die Frau, und niemand weiss wie lange,
durch die Deliquentenschlange.
Das Kaufhaus klagt auf hohen Schaden,
und wieder wird sie vorgeladen.
Dabei sind doch in solchen Läden
Im Preis bereits die Diebstahlschäden
perfekt und gültig einbezogen,
gewinngesichert ausgewogen.
Wenn dieser Warenhausbesitzer
in Urlaub fährt mit seinem Flitzer,
wo im Casino Kugeln rollen,
da schöpft er meistens aus dem Vollen.
Und jeder hat dann das Empfinden,
hier muss das schwarze Geld verschwinden,
das unser Leben so verteuert,
es ist verdient, doch nicht versteuert.
Und es geht meistens alles glatt,
da er doch nichts gestohlen hat.
So wird im Leben man indessen
oft mit verschiednem Mass gemessen.
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Ruhe
Herr von Neureich kann sich’s leisten
wegzugehen aus der Stadt;
bietet schliesslich auch am meisten,
bis er seinen Landsitz hat.
Und der vieljahrhundet alte
Bauernhof wird renoviert,
und das einst so wohlgestalte
Haus ächzt, weil es das verliert,
was es war. Es geht die Seele,
macht Beton und Plastik Platz.
Jetzt entsteht die Luxushöhle,
rustikal. Die Bauernhatz
kann ein neues Opfer melden.
Niemand weint bei so viel Geld,
werden doch von diesen Helden
Bauernbuffets kalt gestellt.
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Der Gast
Seit alter Zeit sehr klug gewesen,
das wissen wir, sind die Chinesen.
Wenn sie die innern Dinge schildern,
dann tun sie dies zumeist in Bildern.
Ein Spruch, den man einst aufgeschrieben,
ist für das Leben mir geblieben.
Er heisst: Besucher sind wie Fische,
man hat sie gern an seinem Tische,
doch spätestens dann nach drei Tagen,
da sind sie nicht mehr zu ertragen.
Das merkt man, heisst es in dem Spruche,
von weitem schon an dem Geruche.
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Es ist der Tag
Es ist der Tag, der uns geboren,
und jenes Licht, das wir verloren,
wird irgendeinmal dann erscheinen,
wenn wir verwirrt und einsam weinen.
Die Tränen, die soll niemand merken,
obwohl sie unser Herz bestärken;
doch wenn wir nur aus Liebe weinen,
wird bald die Sonne wieder scheinen!
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Kirche
Wer immer treu zur Kirche geht,
spricht nie davon.
Wer hie und da zuhinterst steht,
sagt keinen Ton.
Und wer auf keine Glocke hört,
hat seine Welt,
tut still, und niemand wird gestört,
was ihm gefällt.
Wer dauernd über jene klagt,
nur weil sie gehn,
der ist’s, den das Gewissen plagt:
Er glaubt für zehn.
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Verzweiflung
Man meint, es gehe nicht mehr weiter,
und man bezweifelt selbst das Sein.
Man sieht sich schon als Todgeweihter
und spielt dies auch, doch nur zum Schein.
Der Selbsterhaltungstrieb will leben
und macht das Leben lebenswert.
So wird das urgemässe Streben
Zum Schiff, auf dem man sicher fährt.
Egal, wie hoch die Wellen schlagen
und welcher Lebenssturm uns quält,
wir können noch viel mehr ertragen;
erst später wird man ausgezählt.
Zum Ritter wird man stets geschlagen
und die Verzweiflung ist die Kraft,
die uns befiehlt, auch das zu tragen,
was man an sich sonst gar nicht schafft.
Man trägt also mit gutem Willen
sein eitles Ich und auch die Not
und kann auch andere erfüllen.
So wird Verzweiflung zum Gebot,
der Welt zu zeigen, dass wir alle
das Sein doch kräftig überziehn.
Drum zieht es uns in jedem Falle
Zum absoluten Sein einst hin.
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Der Stierkampf
Der Stier, sagt man, hat viele Chancen.
Doch, macht er den Torero kalt,
hat er im Rücken doch die Lanzen
und wird damit bestimmt nicht alt.
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Der Neid
Man macht sich meistens unbeliebt,
wenn man den andern etwas gibt.
Die Nächstenliebe töten leider
Zuallererst die kleinen Neider.
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Die Freiheit
Wenn wir um jene Freiheit streiten,
die uns nur scheinbar alles gibt,
lernen wir niemals den befreiten
Morgen kennen, der uns liebt.
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Am Abend
Ein Tag vergeht, die Vögel schweigen
und auch der Betzeitglocke Ton.
Sie singt nicht mehr den Abendreigen.
Man sagt, sie hätte zuviel Phon.
Der Sandmann sitzt im Fernsehkasten.
Nach Werbung, Krimis kommt er noch,
will sich ins Herz der Kinder tasten;
doch was er sagt, das weiss man doch.
Die Kinder warten auf den harten
Thriller bis um zehn.
Das Nachtgebet, es kann noch warten,
es gibt doch noch so viel zu sehn.
Der Vater sitzt an der Maschine,
die Mutter schwätzt am Telefon.
Das ist des Abends Alltagsmime.
Der kalte Nachtwind kommt dann schon.
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Die Kraft
Du kannst so vieles überwinden
Nur mit der Hoffnung, dass Du’s schaffst,
kannst Du die Energien finden
und jene ganz geheime Kraft,
die uns von der Natur gegeben,
damit wir niemals untergehn.
So wird auch Dein gestresstes Leben
In einer Ecke wirklich schön.
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Die Ratten gehen
Die Ratten gehn zuerst vom Schiff,
sie spüren Sturm, Orkan und Riff.
Und wird das Schiff dann untergehn,
bleibt bis zuletzt der Kapitän.
Weil er den Seemannstod gewählt,
ist er noch längst kein grosser Held:
Er hat die Stürme unterschätzt,
die Mannschaft in den Tod gehetzt.
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Begegnungen
- Bundeskanzler Helmut Kohl
- Walter Scheel, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
- Rolling Stones
- Udo Jürgens
- Max Greger
- Willy Millowitsch
- Hazy Osterwald
- Katja Ebstein
- Karel Gott
- Josephine Baker
- Peter Kraus
- Franz Beckenbauer
- Gerd Müller
- Jackie Stewart
- Reinhard Mey
- Bernhard Russi, Ski-Olympiasieger
- Marie-Theres Nadig, Ski-Olympiasiegerin
- Kardinal König, Wien
- Günter Grass
- Erich von Däniken




